Als Neu-Blogger hätte ich mir wohl keinen ungünstigeren Zeitpunkt aussuchen können und nein, es hat nix mit der Finanzkrise zu tun. Wie die gesamte arrivierte Web 2.0-Szene stelle auch ich mir als Anfänger die Frage: Wenn der Nominal-Wert für Robert Basics Blog “Basic Thinking”, das meist verlinkte Blog Deutschlands, mit 46.902 € die Höchstgrenze erreicht und die jährlichen (Werbe-)Einnahmen sich zuletzt auf 37.000 € beliefen, wie sollen dann Betreiber von weit weniger bekannten Online-Tagebüchern jemals nennenswerte Umsätze erzielen, geschweige denn, davon leben können?
Ebenfalls erschwerend kommt hinzu, dass als Folge dessen und aufgrund des Twitter-Hypes die Wirtschaftswoche gleich mal das “Ende der Blog-Euphorie” verkündet. Da sich mit Bloggen anscheinend nur schwerlich Geld verdienen lässt, was nach einigen Jahren aufopferungsvollem posten nun auch die Blogger gemerkt haben, wandern die Web 2.0-Aktivisten nun ab und zwitschern. Da gibt es zwar auch keine Kohle, aber es geht schneller und sinnfreier und man kann dennoch seinem Mitteilungsdrang ein Ventil geben.
Jenseits der Fragestellung nach irgendwelchen Einnahmen, hat sich mir als Nachzügler der Sinn und Zweck und das Wesen des Bloggens inzwischen erschlossen. Bis mir das gleiche mit Twitter passiert, müssen wohl noch ein paar weitere Jahre verstreichen. Aber das muss nix bedeuten, denn ich gehörte 1999 auch noch zu jenen, die das Schreiben und Versenden von SMS als überflüssigen Wahnwitz der Spaßgesellschaft abtaten.
Beim Twittern ist das wohl etwas anders: Kaum ein Politiker wird es sich bald mehr leisten können, darauf zu verzichten, wenn er nicht als völliger Ignorant der sich verändernden Kommunikation mit den Wählern und der Öffentlichkeit dastehen will. Es sei denn, bis dahin wird das Twittern abgelöst durch ein anderes neues Instrumentarium und es werden dann nur noch einzelne Buchstaben verbreitet, oder es wird nur so getan als würde man etwas mitteilen, was dann wohl als “Fogging” bezeichnet wird.
Wie dem auch sei, Hubertus Heil hat es getan, Barack Obama und auch Thorsten Schäfer-Gümbel. Letzterer konnte immerhin ein anerkennendes Kopfnicken der Twitter-Gemeinde einheimsen, was die Hessen-Wahl allerdings aus SPD-Sicht auch nicht mehr retten konnte.
Barack Obama sorgt unterdessen für ganz andere Schlagzeilen: Trotz massiver Bedenken des Sicherheitsapparates will er partout sein Smartphone nicht abgeben, pardon, sein Blackberry. Wenn einer, der jetzt zum mächtigsten Mann der Welt aufsteigt, auf dem ganzen Globus als integere Politiker-Persönlichkeit und progressiver Hoffnungsträger gilt (kurz: ein Superstar), seinen Blackberry nicht hergeben will, dürfte dafür sorgen, dass die Marketing-Strategen vom Blackberry-Hersteller RIM Schwierigkeiten bekommen werden, ihr Dauergrinsen wieder weg zu kriegen. Was für eine PR, kostenlos noch dazu. Oder haben die Kanadier dem Kandidaten Obama vielleicht eine großzügige Spende zukommen lassen? Eher nicht.
Jedenfalls schicke ich einen Gruß in die Weiten des Web 2.0. Vielleicht wird er ja erwidert.



